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Was für ein Unternehmen vorteilhaft ist, wenn es um den Betrieb technischer Anlagen geht, kann für ein anderes die völlig falsche Wahl sein. Oder zumindest nicht das bringen, was man sich erwartet. Die Erkenntnis, die Alessandro Masera in all den Jahren entwickelt hat, in denen er als Berater für verschiedenste Unternehmen tätig war, mag nach Binsenweisheit klingen, ist aber von fundamentaler Bedeutung. Vor allem dann, wenn es um den Weg in eine neue Energiezukunft geht.

Im Laufe meiner Karriere bin ich mit sehr, sehr vielen Unternehmen in Kontakt gekommen, vor allem solchen aus dem Bereich der Schwerindustrie. Dabei habe ich vor allem mit den Facility Managern zu tun, die auch für den Betrieb der technischen Anlagen in einem Unternehmen verantwortlich sind. Im Gespräch mit ihnen geht es meist um die Optimierung des Energieverbrauchs. Die Energieoptimierung ist ein Ziel, das wir mit unterschiedlichsten maßgeschneiderten Lösungen ansteuern und das gleich zwei gewichtige Vorteile bringt: zum einen senkt sie die Betriebskosten, zum anderen sorgt sie für mehr Nachhaltigkeit in den Abläufen eines Unternehmens.

Nennen Sie mich ruhig naiv, aber ich habe immer geglaubt, dass Unternehmen der Frage der Energieoptimierung gegenüber mehr als aufgeschlossen seien. Vor allem solche aus dem Bereich der Schwerindustrie, nachdem sie Unmengen Energie verbrauchen. Nur: Die Realität sieht anders aus. Gerade weil große Unternehmen von zahlreichen Vorteilen beim Bezug von Energie profitieren, widmen sie der Optimierung des Verbrauchs kaum ein Augenmerk. Investitionen in diesen Bereich scheinen auf einen ersten Blick kaum interessant zu sein.

Sehr viel zugänglicher sind Unternehmen, wenn es um Eingriffe geht, die die Sicherheit und Gesundheit ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verbessern. Und das ist durchaus gut so. Ebenso interessiert scheinen Betriebe an Zertifikaten zu sein, die man seinen Kunden präsentieren kann, und zwar ganz unabhängig davon, wie viel konkreter Mehrwert tatsächlich hinter diesen Zertifikaten steckt.

Die Optimierung des Energieverbrauchs scheint hinter all dem anstehen zu müssen. Und daher verwundert es auch nicht, dass vor allem jene Unternehmen CO2-neutral werden wollen, die in direktem Kontakt mit den Konsumenten stehen. Zulieferer dagegen, die diesen Kontakt nicht halten, haben sehr viel weniger Sensibilität entwickelt und scheinen kaum interessiert an Fragen eines nachhaltigen Ressourceneinsatzes. Für mich ist das ein mehr als kurzsichtiger Ansatz.

Die Vorteile, die große Unternehmen beim Bezug von Energie genießen, ist ein Überbleibsel einer Welt, die heute nicht mehr existiert. Mehr noch: Sie sind ein Überbleibsel einer Welt, die es zu ändern gilt. Um das zu verstehen, genügt ein Blick in den Weltklimabericht 2021, der vor kurzem erschienen ist. Er zeigt uns sehr klar, sehr deutlich und manchmal auch durchaus brutal auf, was passiert, wenn wir in Sachen Energieverbrauch weitermachen wie bisher. Und er zeigt damit auch, wie zentral ein schneller Wandel hin zum Energiesparen einerseits und zum Decken dieses (dann niedrigeren) Energieverbrauchs aus erneuerbaren Quellen andererseits ist.

Wenn diese Erkenntnis einmal greift, haben all jene Unternehmen, die heute schon mit Weitsicht handeln, einen klaren Startvorteil. Alle anderen, die aus Gewohnheit, Faulheit, fehlendem Mut oder einer fehlenden Vision nicht gehandelt haben, werden dann gezwungen sein, verlorenen Boden gutzumachen. Und so manch einer wird das nicht schaffen.